Hexenkessel im Bullentäle Albstadt

Albstadt liegt inmitten der idyllischen schwäbischen Alb. Doch einmal im Jahr wird die kleine Stadt zum Hexenkessel, in dem Ritzel, Naben, Reifen und Ketten heiß gekocht werden. Wenn es wieder einmal soweit ist, dann grillt der UCI Mountainbike World Cup die Trails mit kochendem Gummi trocken. Ich habe schon viele MTB-Events besucht und viele Rennen erlebt, aber Albstadt ist wirklich etwas besonders. Der Grabig in Frammersbach XXXXL!

Doch zunächst die Fakten: 1995 wurde der erste Marathon in Albstadt veranstaltet. 2013 richtete schließlich die UCI , (französisch für Internationaler Radsport-Verband, ist der Dachverband nationaler Radsport-Verbände mit Sitz in Aigle in der Schweiz) zum ersten Mal im Rahmen des Gonso Albstadt MTB Classic ein Mountainbike Weltcup Rennen in Albstadt aus.  Die Umsetzung eines solchen Wettkampfs für den internationalen Verband ist mit vielen Auflagen und Herausforderungen verbunden, doch man schafft es Albstadt tatsächlich alle zufrieden zu stellen: die Zuschauer, die Fahrerinnen und Fahrer, die Hersteller, Aussteller und die Kommune und die UCI.

Albstadt gilt als hartes Rennen, denn der Rundkurs mit 4,2 Kilometern und 190 Höhenmeter, den die Frauen sechs Mal und die Herren sieben Mal fahren, ist teilweise sehr steil. Helen Grobert, die Ghost Team-Fahrerin, findet die Strecke technisch nicht schwer, aber eben steil, schnell und anspruchsvoll. Sabine Spitz, mit 44 die älteste Teilnehmerin, liegt die Strecke nicht besonders, doch sie hat mit einem speziellen Techniktrainer die Strecke studiert und ist zudem topfit. Aus deutscher Sicht sind zwei weitere Top-Fahrerinnen an den Start gegangen: Elisabeth Brandau und Adelheid Morath vom Team BH-SR-Suntour-KMC.

Eine Wahnsinnsstimmung im Bullentäle.

Eine Wahnsinnsstimmung im Bullentäle.

Für die vier ging es wie bei den Männern nicht nur um den Sieg und Weltcuppunkte, sondern auch um die Qualifikation für die olympischen Spiele, für die sich die ersten acht des Rennes direkt qualifizieren. Ich denke, mehr Motivation geht nicht.

So wurde auch die Spannung in Albstadt von Donnerstag bis Sonntag perfekt aufgebaut. Neben den Trainingsmöglichkeiten der Profis auf der Strecke, die am Donnerstag noch heftig rutschten, lieferten sich am Freitag und Samstag zunächst die Junioren ihre ebenfalls extrem hart umkämpften Rennen. Ich sah so manchen Sturz, von dem ich nicht so schnell wieder aufgestanden und vor allem nicht gleich wieder aufs Rad gestiegen wäre. Respekt kann ich da nur sagen! Das wäre vor zehn Jahren bestimmt kein Kurs für Cross Country Fahrer gewesen, die früher vor allem nur ordentlich Wumms in den Beinen haben mussten. Heute fahren nur die vorne mit, die auch schnell und sicher abfahren. Die meisten CC Fahrerinnen und Fahrer sind zudem immer noch auf Hardtails mit starren Sattelstützen unterwegs, da schüttelt es mich, die ihre doch so gerne bei jeder Abfahrt absenkt.

kleindie besten im ziel

So sehen zufriedene Finalistinnen aus!

Albstadt zog dieses Jahr laut Veranstalter 15.000 Zuschauer an. Warum? Das liegt an der Strecke. Ein Großteil des Kurses ist direkt für die Zuschauer einsehbar. Die spektakulärsten Abschnitte verlaufen durch das sogenannte Bullentäle, in dem man während der Rennen kein Wort mehr versteht. Die Zuschauer stehen in vielen Reihen an der Strecke und feuern frenetisch die Fahrer an. Da werden die Vornahmen gerufen und Aufmunterungen gebrüllt. Sabine Spitz meinte vor dem Rennen, dass sie das am meisten an Albstadt liebt: Die Zuschauer, die ihr mit grosser Begeisterung den Berg hinauf helfen. So war es auch wieder am Sonntag.

Die spätere Siegerin Annika Langvad fuhr schon in der ersten Runde auf den ersten Platz und einen uneinholbaren Vorsprung heraus, doch die Plätze dahinter, waren bis zum Schluss heiß umkämpft. Jenny Rissveds, die spätere Zweiplatzierte, stürzte in der zweiten Runde und schaffte es, sich wieder heran zu kämpfen. Sabine Spitz lag lange auf Platz zwei und drei und musste sich am Ende, vielleicht auch wegen eines Sturzes, mit Platz vier zufrieden geben. Doch was für ein grossartiges Rennen lieferte die 44jährige ab! Die größte Überraschung war allerdings für viele der siebte Platz von Elisabeth Brandau, die sich kontinuierlich nach vorne fuhr. Mit Helen Grobert auf Rang elf und Adelheid Morath auf Rang 13, die auch beim Zieleinlauf noch fightete, waren zwei weitere deutsche Damen unter den Top 15 und sorgten für ein Mannschafts-Resultat, das es im Weltcup so noch nie gab und den Männern mal zeigte wie es geht.

Die haben sich vorne gar nicht gezeigt. Manuel Fumic belegte Rang 20 und wir können nur hoffen, dass er im August fitter ist. Irrsinnig spannend allerdings war der Kampf um den Sieg zwischen Schurter und Absalon, die sich die Führung immer wieder teilten. Im Sprint zockte Schurter seinen Konkurrenten ab, der beinahe sein Rad vor Wut in die Bande geworfen hätte. Respekt auch für Maxime Marotte, der vor der letzten Runde noch auf 17 Sekunden herangekommen war. Der Franzose vom BH-SR-Suntour-KMCTeam liegt in der Gesamtwertung jetzt gleichauf mit Julien Absalon auf Rang zwei hinter dem zweifachen Saisonsieger Schurter.

Ich bekomme beim Schreiben heute noch Gänsehaut, weiß, dass ich nächstes Jahr wiederkommen werde und freue mich zudem auf meine nächste MTB-Runde, dann aber mit mehr Federweg und absenkbarerer Sattelstütze!

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