In welcher Stadt möchte ein Radfahrer leben? In Mannheim wohl eher nicht.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e. V. (ADFC) hat zum sechsten Mal die Ergebnisse des Fahrradklima-Tests bekannt gegeben. Im Herbst 2014 konnten Radfahrerinnen und Radfahrer bewerten, wie fahrradfreundlich ihre Stadt oder Gemeinde ist. Auch ich habe als eine von rund 100.000 daran teilgenommen. Insgesamt erreichten 468 Städte und Gemeinden die Mindestteilnehmerzahl und wurden offiziell bewertet. Die Bestplatzierten im ADFC-Fahrradklima-Test 2014 sind Münster (NRW), Karlsruhe (BW), Freiburg (BW), Erlangen (BY), Oldenburg (Niedersachsen), Ingolstadt (BY), Bocholt (NRW), Nordhorn (NRW), Wesel (NRW), Reken(NRW), Ketzin (Brandenburg) und Rhede (NRW).
Die Stadt Mannheim ist weit abgeschlagen und fast das Schlusslicht in BW. Mannheim, die Stadt, die sich im Herbst 2014 ganz mutig nach Nantes, Wien, Vancouver und Sevilla als Velo-City-Konferenzstadt 2017 beworben hatte.

Schon seit 1980 kommen bei den internationalen Velo-City-Konferenzen der European Cyclist Federation (ECF) Experten zusammen, um über Maßnahmen zur Förderung des Radverkehrs zu debattieren. Doch den Zuschlag erhielt für 2017 erhielt die niederländische Region Arnheim-Nimwegen. Obwohl Mannheim 2017 die Erfindung der Laufmaschine durch Karl Drais im Jahr 1817 in Mannheim groß feiern wollte und irgendwie jetzt trotzdem auch feiern wird.
Die Stadt Mannheim kommuniziert, dass man sich seit Jahren um einen höheren Radverkehrsanteil bemüht. 2010 wurde ein 21-Punkte-Plan verabschiedet und Mannheims Bürgermeister Quast verkündete auf der Eurobike vollmündig: „Die stückweite Rückeroberung des Straßenraums ist typisch für viele ähnliche Städte in Deutschland und Europa. In Städten wie Mannheim entscheidet sich, ob der Wandel zu einer nachhaltigen Mobilitätskultur in Europa gelingen kann. Insofern steht Mannheim als Synonym für viele Städte in Europa und vor allem in Deutschland.“

Fünf Spuren führen Richtung Hauptbahnhof Mannheim, aber kein Platz für einen Radweg.

Fünf Spuren führen Richtung Hauptbahnhof Mannheim, aber kein Platz für einen Radweg.

Und nun, Herr Quast? Mannheim erhielt bei der Umfrage des ADFC die Note 3,9 – fast ausreichend. Ok, es haben nur 761 Mannheimer Radfahrer teilgenommen, aber auf Platz 19 von 39 bundesweit und landesweit auf drei von vier ist kein Hit. Positiv bemerkten die 761, dass im Winter die Radwege gut gestreut werden und viel Werbung für das Rad gemacht werde, dass man gut in die Stadt komme und durch viele Einbahnstraßen fahren dürfe.
Wen es interessiert, der kann sich unter http://www.adfc.de/news/adfc-fahrradklima-test-2014-die-ergebnisse die Ergebnisse im Detail anschauen
Zwischen Statistik, Umfragen und Realität klaffen ja manchmal Universen und Mannheim ist vielleicht nicht so schlecht wie der Fahrrad-Klima-Test es aussehen lässt, aber aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Radfahren in Mannheim kein ungefährliches Unterfangen ist. Da hören Radwege einfach mal an einer Kreuzung auf, Radwege werden zu Dauerparkplätzen, Radwege fallen Baustellen zum Opfer oder sind an wichtigen Verkehrsadern erst gar nicht vorhanden, und es gibt viel zu wenige professionelle Abstellflächen. Die Infrastruktur ist extrem ausbaufähig.
Radfahren sollte zur Selbstverständlichkeit werden und nicht das Gefährt von Ökis, Spinnern und armen Leuten. Vielleicht wird die Elektromobilität hier unterstützen, wenn immer mehr „Anzug-Berufstätige“ mit einem E-Rad zur Arbeit fahren und das Rad-Fahren zur Normalität wird – wenigstens dem Auto gleichgestellt: das sollte das Ziel sein.

Gibt es Radwege, werde diese gerne als Parklpatz genutzt, was nie geahndet wird.

Gibt es Radwege, werde diese gerne als Parklpatz genutzt, was nie geahndet wird.

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bikegeisterung

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